Der Zweifler

 

Glück, was machst du ~

hey, lass mich in Ruh

ich will ohne dich sein

bind dich nicht an mein Bein.

 

Stehst an jeder Straßenecke

begleitest jede Wegesstrecke

steckst in jeder Blume im Asphalt

machst vor keiner Blüte Halt.

 

Zeigst dich in jeder Begegnung

wo zwischen Menschen Freundlichkeit fließt

hälst mich sicher für ganz dumm

dass sich vor dir mein Herz verschließt.

 

Oh nein, ich bilde mir nicht ein

ich könnte ja mal glücklich sein

ich weiß auch gar nicht, wie das geht

meine Kindheit hat sich schließlich auch nicht um Glück gedreht.

 

Wie soll ich dich da annehmen können

und überhaupt, bei dem Elend der Welt

muss ich mich von dir trennen

ich kann doch nicht einfach leben, wie´s mir gefällt

 

Und was denken all die Anderen

wenn ich einfach glücklich bin

ich schmeiß dann nämlich viele ihrer Werte

von heut auf morgen hin:

 

Ich brauch keine Klamotten mehr

die meinen Schrank überfüllen

esse keine Schokolade -

keine Pfunde der süßen Seligkeit mehr aus meinen Nähten quillen.

 

Ich lenk mich nicht mehr ab

mit Spaßprogramm, TV und Bier

herrje ~ ich breche dann den Stab

der Gewohnheit, ich bin dann nur im Jetzt und Hier.

 

Ich seh´ mehr das Gute, statt zu jammern

statt Autofahren werde ich wandern

der Natur meine Aufmerksamkeit  schenken

mit Achtsamkeit und Liebe meine Mitmenschen bedenken.

 

Oh, ich würde dankbar sein

für jeden Moment, jede Begegnung, jeden Stein

für alles, was man nicht kaufen kann

keine Werbung kommt mehr an mich ran.

 

Ich hätt auch keine Wehwehchen mehr

wenn Glück durch meinen Körper zieht

meine Hormone beflügelt, durch meine Augen sieht

dann wäre ja gar nichts mehr wirklich schwer

 

Oh nein, ich kann doch nicht so anders

als all die Anderen sein

ich schleppe nicht das Glück

Tag für Tag mit an meinem Bein.

 

Und wie soll ich´s erklären

dass ich so vieles nicht mehr brauch

wenn alle sich das Glück verwehren

mach ich das besser auch.

 

Ich könnte ja Freude und Freiheit erlangen

oh, Gott, da krieg ich Angst und Bangen

ich fürchte schon ich sitze

mit dem sturen Glück auf der Nasenspitze

 

all den unglücklichen Gestalten gegenüber

die mich überhaupt nicht mehr verstehen

weil sie schließlich das Glück

in ihrem Leben selber nicht sehen

 

Und voller Fragen auf mich blicken

mir unglückliche Gedanken schicken

das Licht in ihrem Inneren nicht erkennen

blind fürs Glück durchs Leben rennen

 

Dass man´s überall haben kann

wenn man mit dem Herzen sieht

tja … vielleicht ist ja doch was dran

warum das Glück dauernd neben mir steht… 

© Stephanie Graumann 2015   

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