Das Zeitgeschehen - die Poesie des Lebens - oder: die Suche nach Gott


Und immer ist da diese Sehnsucht, die nach Erfüllung sucht.
Umher getrieben wie ein Spielball im Wind der selbstgewählten Rahmenbedingungen, die aus Unsicherheit und der Hoffnung auf Stabilität entstanden sind. Halt gebend, Orientierung hoffend, neugierig betrachtend und doch hungernd in dieser Illusion von Angekommen sein.


Der Horizont zieht sich zurück, der Blick auf die Möglichkeiten zahlreicher Abenteuer sinnlichen Erlebens wird enger und enger, bis er in eine Streichholzschachtel zu passen droht. Enge macht sich breit und will besitzergreifend die Reste der gefühlten Lebendigkeit im Keim ersticken. Angepasst bis zur Selbstaufgabe lebt es sich bequemer im vorgefertigten Korsett, statt einen Kampf aufzunehmen, der von vornherein zum scheitern verurteilt zu sein scheint.


Immer tiefer vergraben, am stillsten Ort des Inneren, schwelt die Sehnsucht, sendet Impulse durchtränkt mit der Hoffnung, endlich gehört um dann wieder begraben zu werden unter der Last der Mutlosigkeit und Konformität. Kein Raum, keine Sprache, keine Kraft, um die Erfüllung zu suchen deren Ziel im Dunkeln liegt. Im Ungewissen, belegt mit der Angst zu scheitern. Angst, die Geborgenheit des Käfigs zu verlieren.


Doch die Sehnsucht wird nicht müde. Harrt geduldig auf diesen einen Augenblick, in dem sich die Enge entzündet. Ein Funke der Inspiration und Hoffnung entfacht in dem kleinen Universum immer enger gewordener Gedankenstrukturen und Gewohnheiten eine Flamme der Herausforderung. Schmerz macht sich breit - Trauer, Ohnmacht, Haltlosigkeit, Umbruch —— Aufbruch.


Und die Zündhölzer beginnen zu schwelen, sprengen den Raum, in dem sie fein sortiert zur Ablage vorgesehen waren. Die Sehnsucht atmet auf. Frischer Wind entfacht einen Flächenbrand, der alles zu nehmen droht, was zur Identifikation verkrustet war. Über das Stoppelfeld verbrannter Erde schreitet mit großen Schritten die Erfüllung voran in tiefem Vertrauen, daß am Ende der Dunkelheit der neue Horizont den Hunger stillen wird, das Leben auf ganz persönliche Weise zu erfahren.


3. Februar 2021 Stephanie Graumann-Merkel

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© Stephanie Graumann-Merkel, Ingelheim - Kreis Mainz-Bingen